Apothekergärten – Einleitung

Arzneipflanzengärten

“Der Apothekergarten” soll in die faszinierende Welt der Arzneipflanzen entführen – und gleichzeitig handfeste Informationen über Möglichkeiten und Grenzen pflanzlicher Arzneimittel liefern
Arzneipflanzengärten haben im mitteleuropäischen Raum eine lange Tradition. Einer der ältesten exsistiert noch heute: Der Abt Walahfrid Strabo (808- 849) legte ihn um 825 im Benediktinerkloster auf der Insel Reichenau im Bodensee an. Hier und in anderen Klostergärten des Mittelalters wurden Arzneipflanzen in erster Linie für die medizinische Nutzung gezogen. Der Hortulus des Klosters war aber auch immer ein Ort des Lernens und der Wissensbewahrung.
In der Renaissance gab es erste öffentlich zugängliche Schaugärten. Im berühmten botanischen Garten zu Leyden (Holland) waren 1610 über 300 Arzneipflanzen zu sehen. In dieser Zeit entstanden auch kunstvoll bearbeitete Kräuterbücher deren gesammeltes Wissen als Grundlage für die moderne Arzneipflanzenforschung noch heute eine wichtige Rolle spielt.
Durch erfolgreiche Forschungsbemühungen und durch die verstärkte Hinwendung der Menschen zur Natur erlebt die Pflanzenheilkunde seit einiger Zeit einen ausgesprochenen Boom.

Durch großes Engagement sind an vielen Orten in Deutschland neue Arzneipflanzengärten entstanden oder historische Gärten restauriert worden Sie überzeugen durch ihre Pflanzenvielfalt, ihre Architektur, die oft mit viel Aufwand zusammengetragenen Informationen, ihre spezielle Thematik oder einfach durch die berauschende Vielfalt ihrer Farben und Düfte.

Mit dem Projekt “Der Apothekergarten”, das die Grundlage zu diesem Buch darstellt, soll dem wachsenden Bedürfnis nach Informationen über pflanzliche Arzneimittel Rechnung getragen werden. 1996 öffnete im Rahmen der Landesgartenschau Lünen (Westfalen) ein Arzneipflanzengarten seine Pforten, in dem, neben dem über viele Generationen angesammelten Erfahrungswissen vor allem die wertvollen Ergebnisse moderner Arzneipflanzenforschung in einer Art “open-air-Bibliothek” präsentiert werden. Ein neuartiges Lehrkonzept ermöglicht dem Besucher einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Themengebiete einer zeitgemäßen Pflanzenheilkunde. Der Erfolg dieses Gartens, an dessen Gelingen namhafte Institutionen aus Wissenschaft und Gesundheitswesen sowie führende forschende Hersteller pflanzlicher Arzneimittel beteiligt waren, führte 1998 zur Entstehung eines weiteren Teilprojektes: des Apothekergartens Gütersloh. Als dritter Garten eröffnete zeitgleich mit der EXPO2000 in Hannover, auf dem Gelände der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der Heil- und Giftpflanzengarten, in den das Konzept des Apothekergartens integriert ist. Über 150 wichtige Arzneipflanzen sind in Lünen, Gütersloh und Hannover “live” zu sehen. Auf jeweils 100 farbig gestalteten, wetterfesten Informationstafeln können sich die Besucher über die verschiedensten Aspekte der Pflanzenheilkunde informieren. Viele weitere kleine und große Arzneipflanzengärten sind in Kooperation mit dem Apothergartenprojekt entstanden. (Adressenliste Seite 5).
Das vorliegende Buch ist aber nicht nur eine Sammlung der Informationstafeln aus den Apothekergärten. Für Interessierte aus allen Bereichen soll dieser Band, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, ein kleiner Leitfaden durch die faszinierende Welt der Arzneipflanzen sein.